Dönerplan

Wer hat den Döner erfunden?

Auf diese Frage gibt es keine saubere Antwort, und wer eine liefert, verschweigt etwas. Das Fleisch am senkrechten Spieß ist Jahrhunderte alt. Neu war in den 1970er Jahren nur eines: es ins Brot zu stecken und im Gehen zu essen. Genau diesen Schritt beanspruchen mindestens drei Männer für sich, und keiner hat einen Beleg, der die anderen ausschließt.

Was vor Berlin da war

Der senkrechte Drehspieß gilt als Erfindung des 19. Jahrhunderts und wird meist Iskender Efendi aus Bursa zugeschrieben, der das bis dahin waagerecht gegrillte Fleisch aufgerichtet haben soll. Aus seinem Namen wurde der Iskender Kebap, den es bis heute gibt: Dönerfleisch auf gewürfeltem Fladenbrot mit Tomatensoße und Butter.

Gegessen wurde das vom Teller, mit Besteck, im Sitzen. Über die osmanische Küche und später über türkische Restaurants verbreitete sich der Drehspieß, und in dieser Form kam er auch nach Deutschland — als Restaurantgericht, nicht als Straßenessen.

Die Erfindung, um die gestritten wird, ist deshalb nicht das Fleisch und nicht der Spieß. Es ist die Verpackung: ein Viertel Fladenbrot, aufgeschnitten, gefüllt, aus der Hand essbar. Das ist ein Produktgedanke, keine Kochtechnik — und Produktgedanken lassen sich schlecht patentieren und noch schlechter datieren.

Die drei Ansprüche

Kadir Nurman, Berlin 1972
Der bekannteste Anspruch. Nurman verkaufte am Bahnhof Zoo Fleisch vom Spieß im Fladenbrot und begründete es damit, dass Berliner Arbeiter im Gehen essen wollten. Er hat den Anspruch nie schützen lassen und daran nichts verdient. 2011 erkannte ihn der Verband Türkischer Dönerhersteller in Europa öffentlich als Erfinder an — eine Anerkennung durch einen Interessenverband, kein historischer Nachweis.
Mehmet Aygün, Berlin 1971
Aygün datiert seinen Anspruch ein Jahr früher, damals sechzehnjährig, ebenfalls in Berlin. Aus seinem Betrieb wurde später ein großes Gastronomieunternehmen. Auch hier: kein Dokument, das die Sache entscheidet, sondern eine Erzählung mit Zeugen.
Nevzat Salim, Reutlingen 1969
Der früheste der drei Ansprüche und der am wenigsten bekannte. Salim und sein Vater sollen Fleisch vom Spieß im Brot verkauft haben, bevor es in Berlin geschah. Wer ihn anführt, verschiebt die Erfindung aus Berlin heraus — was erklärt, warum die Berliner Ansprüche mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Warum es keinen Beweis geben kann

Alle drei Ansprüche stützen sich auf Erinnerungen, auf Familienerzählungen und auf spätere Presseberichte. Keiner stützt sich auf eine Gewerbeanmeldung mit Produktbeschreibung, eine datierte Speisekarte oder ein Foto mit Datum — die Dinge, die eine solche Frage entscheiden würden.

Dazu kommt ein grundsätzliches Problem: Fleisch im Fladenbrot ist keine so ungewöhnliche Idee, dass sie nur einmal entstehen konnte. Es ist wahrscheinlicher, dass mehrere Leute in mehreren Städten unabhängig voneinander darauf kamen, sobald genug türkische Gastronomie und genug Laufkundschaft zusammenkamen. Die Frage „wer zuerst“ setzt eine Einmaligkeit voraus, die es vermutlich nie gab.

Was sich dagegen sagen lässt: Berlin hat den Döner groß gemacht, nicht unbedingt erfunden. Dort entstand in den 1970er und 1980er Jahren die Dichte an Betrieben, die aus einem Imbissgericht ein Alltagsessen machte — und dort entstand auch die Form, die heute als deutscher Döner gilt, mit Krautsalat, Rotkohl und weißer Soße. Diese Zutaten sind eine deutsche Zutat zur türkischen Sache.

Was daraus geworden ist

Der Döner, den man heute in Deutschland isst, ist kein Import, sondern eine hiesige Entwicklung: Kalbfleisch statt Lamm, Krautsalat statt nur Zwiebeln, drei Soßen zur Auswahl. In der Türkei bestellt man ihn so nicht. Wir haben das nachgezählt — von den Betrieben, bei denen in den Bewertungen überhaupt eine Fleischart genannt wird, ist es in 75 % Kalb und nur in 9 % Lamm.

Insofern ist die Erfinderfrage weniger interessant als die, was hier daraus gemacht wurde. Der deutsche Döner ist ein eigenständiges Gericht mit eigener Geschichte — und zwar einer, die sich anders als die Erfinderfrage tatsächlich belegen lässt.

Häufige Fragen

Wer hat den Döner erfunden?

Es gibt keine belegte Antwort. Drei Ansprüche stehen nebeneinander: Kadir Nurman (Berlin, 1972), Mehmet Aygün (Berlin, 1971) und Nevzat Salim (Reutlingen, 1969). Keiner stützt sich auf ein Dokument, das die anderen ausschließt. Der Drehspieß selbst ist deutlich älter und wird Iskender Efendi aus Bursa im 19. Jahrhundert zugeschrieben.

Wurde der Döner in Deutschland oder in der Türkei erfunden?

Das Fleisch am senkrechten Spieß kommt aus der Türkei. Der Döner im Fladenbrot, zum Mitnehmen und aus der Hand, entstand in Deutschland — darüber sind sich alle drei Ansprüche einig, sie streiten nur über Stadt und Jahr.

Warum gilt Kadir Nurman als Erfinder?

Weil ihn 2011 der Verband Türkischer Dönerhersteller in Europa öffentlich als solchen anerkannte und die Presse das übernahm. Das ist eine Anerkennung durch einen Interessenverband, kein historischer Nachweis — die konkurrierenden Ansprüche wurden dadurch nicht widerlegt.

Seit wann gibt es Döner in Deutschland?

Seit Anfang der 1970er Jahre in der heutigen Form, in Restaurants als Tellergericht schon früher. Zum Massenphänomen wurde er in den 1980er Jahren, zuerst in Berlin.

Was heißt „Döner“ eigentlich?

„Döner kebap“ heißt sinngemäß „sich drehendes Grillfleisch“ — von dönmek, sich drehen. Der Name beschreibt also die Zubereitung, nicht das fertige Gericht. Was hierzulande „ein Döner“ heißt, ist streng genommen die Kurzform für Döner im Brot.

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